„Low-Tech-Shop“ kommt.

 „Low-Tech-Shop“ Elektronikmarkt kommt nach Rödermark

Vom Rödermark Examiner im PDF Format herausgegebene Newspaper hier die Textversion.

Deutschlands erster „Low-Tech-Shop“ Elektronikmarkt kommt nach Rödermark
Erfolg der städtischen Wirtschaftsförderung – ideale Standortbedingungen

Von Alfons Gotta-Schrod. Geradezu begeistert konnte der Magistrat im Rahmen seiner letzten Pressekonferenz mitteilen, dass Rödermark eine gewerbliche Neuansiedlung in großer Dimension vermelden kann: Deutschlands erster „Low-Tech-Shop“ Elektronikmarkt wird im Spätherbst in Rödermark seine Pforten öffnen. „Man habe“, teilt der Geschäftsführer der Elektronikkette erfreut mit, „lange in Deutschland nach einem passenden Standort gesucht und glücklicherweise schlussendlich mit Rödermark den idealen Low-Tech-Standort gefunden.“ Das Hauptabsatzgebiet für Low-Tech sind die Entwicklungsländer, wo der Einsatz von teuren, hochwertigen Maschinen schon mehrfach zu Fehlschlägen geführt hat, sowie in den Siedlungen der Amish-People in den USA und Kanada. Die Expansion nach Europa war deshalb eine besondere Herausforderung. Die europaweiten Standortsuche gestaltete sich als sehr schwierig, weil die allermeisten Städte und Gemeinden in Deutschland und Europa dem Fortschritt und der Technologie gegenüber offen bis sehr offen seien und daher als Low-Tech-Standorte komplett ausfielen. In Rödermark allerdings, so lässt die Low-Tech-Shop-Geschäftsführung verlauten, habe man demgegenüber ideale Low-Tech-Standortbedingungen vorgefunden: Die technologische Fortschrittsverweigerung werde erfreulicherweise sowohl von der politischen Mehrheit als auch bis in die höchste Ebene der Verwaltung intensiv gelebt und verteidigt.

Ein weiteres Ansiedlungsproblem, nämlich eine für Low-Tech zu hohe Internetgeschwindigkeit sei ebenfalls in Rödermark glücklicherweise nicht gegeben. Zwar gebe es in Rödermark stellenweise DSL 1500 – jedoch könnte man dies über entsprechende mechanische Drosselungen relativ unproblematisch auf Low-Tech-Standard anpassen und zudem sei die Gefahr einer höheren oder gar State-of-the-art-Internetgeschwindigkeit in Rödermark in absehbarer Zukunft nicht zu befürchten. „Wir verlassen uns“, so der Low-Tech-Shop Aufsichtsratsvorsitzende auf Nachfrage, „hier auf die Äußerung eines Kommunalpolitikers von AL/Die Grünen, der vor geraumer Zeit richtigerweise öffentlich festgestellt hat, dass keine Privatperson mehr Bandbreite als DSL 1500 benötigt.“ „Für uns ist es sehr schade“, kommentiert dies der designierte Low-Tech-Shop-Filialleiter, „dass nicht noch mehr Städte in Deutschland die Kultur der Fortschrittsverweigerung in dieser angenehmen Weise wie Rödermark pflegen, sondern andauernd versuchen, ihren Bürgerinnen und Bürgern die modernste und effektivste technologische Infrastruktur aufzunötigen. Immer muss alles High-Tech sein, jede neue Technologie wird in das tägliche Leben integriert. Rödermark verfügt hier mit seiner politisch gelebten Fortschrittsverweigerung über ein echtes Alleinstellungsmerkmal!“

Low-Tech, so erklärt Wikipedia „ist eine Konstruktionsphilosophie, die den Gegenpol zur High-Tech bildet. Es bedeutet das bewusste Verzichten auf teure, komplizierte Technik und die Nutzung einfacher Wirkprinzipen […]. Für den Betrieb reicht meist Handkraft aus, es werden keine Batterien benötigt.“ Mit Blick auf die politischen Mehrheiten und die politisch Verantwortlichen ist Rödermark mithin prädestiniert als neuer Standort der ersten Low-Tech-Filiale in Europa. Die Produktpalette des sich gerüchteweise im Stadtteil Urberach im „Thälmann-Weg“ ansiedelnden Low-Tech-Shop Elektronikmarktes wird Rödermark voraussichtlich zum Eldorado für Fortschrittsfeinde und Rückwärtsgewandte machen. Je nach Erfolg des Konzepts kann sich der Betreiber auch vorstellen, mittelfristig zu expandieren und den anfänglich reinen Elektronikmarkt zu einem Low-Tech-Outlet auszubauen. Am Eröffnungswochenende sollen die Kunden mit einem absoluten Angebotsknaller geködert werden: Der „Kühlschrank ohne Strom“ (Es handelt sich hierbei um zwei Tonkrüge (natürlich regional getöpfert), die ineinander gestellt werden. Zwischen den beiden Töpfen wird Sand eingefüllt und befeuchtet. Durch die Verdunstungskälte sinkt im inneren Topf die Temperatur um einige Grad Celsius, ausreichend um die Haltbarkeit von koscheren Lebensmitteln merklich zu erhöhen.) wird zum Spottpreis von 799 Euro feilgeboten werden. Ebenfalls wird es auf das gesamte Sortiment an 5 ¼“ Floppy sowie 3,5“ Disketten und Super 8 Schmalfilmen 25% Rabatt geben, auf Schwarzweiß-Röhrenfernseher sogar 50 % und auf unsmarte, tragbare Fernsprechgeräte gigantische 60 %. Ein besonderes Schmankerl ist der C64 –Resurrection Line, der für unschlagbare 999 € angeboten wird.

„Es ist schön zu sehen, dass es heute noch Orte gibt, wo auf moderne Kommunikationsmittel verzichtet wird, wo Einladungen für politische Sitzungen noch von dafür angestellten Menschen persönlich in die Briefkästen eingeworfen werden, wo der handfeste Papierausdruck noch etwas gilt und man auf elektronische Daten weitestgehend verzichtet, wo E-Post und E-Government noch Fremdwörter sind“, resümiert die Low-Tech-Shop-Geschäftsführung. „Wir hoffen, dass von Rödermark ein Impuls ausgeht, der in weiteren Kommunen ein Umdenken bewirkt, so dass wir noch weiter in Europa expandieren können.“

Eine Gefahr für das längerfristige Low-Tech-Konzept in Rödermark, insbesondere durch eine fortschrittliche und speziell technologiefreundliche politische Opposition, sieht die die Low-Tech-Shop-Geschäftsführung nicht und kommentiert dies gänzlich entspannt: „Die Fortschrittsquerulanten der FDP wiederholen schon seit Jahren gebetsmühlenartig ihre Forderungen nach z.B. schnellem Internet und effizienter, moderner Technik in Stadt und Verwaltung und rein gar nichts ist passiert – da können wir bezüglich der konsequenten Fortschrittsverweigerung vollends auf die politischen Mehrheiten und die Verwaltungsspitze vertrauen.“ (ags)

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